Aussagekraft von Verkehrsdaten: Rekonstruktion sozialer Netzwerke möglich
Forscher am amerikanischen MIT (Massachusetts Institute of Technology) haben in einer Studie zur Aussagekraft von Telekommunikationsverkehrsdaten aufgezeigt, dass sich mit Hilfe dieser Daten soziale Netzwerke präziser rekonstruieren lassen, als durch direkte Befragungen der jeweiligen Personen. Über die Studie berichtete die Humanistische Union.
Die Forscher Nathan Eagle, Alex Pentland und David Lazer untersuchten die Verkehrsdaten der Mobiltelefone von 94 Personen (Studenten und Angestellte der Einrichtung, die an dem Experiment freiwillig teilnahmen). Über diese Daten ließen sich die Beziehungsnetzwerke zwischen den Teilnehmern mit einer Genauigkeit von 95% vorhersagen. Dieser Wert liegt höher als bei einer parallel durchgeführten Befragung der Teilnehmer zu diesem Thema, da sie bei der Befragung kurz zurückliegende Interaktionen mit anderen Teilnehmern in den Vordergrund stellten.
Die Studie zeigt auf, dass sich aus Verkehrsdaten viele Rückschlüsse ziehen lassen. So konnten aufgrund der analysierten Netzwerke auch Vorhersagen über die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter getroffen werden. Brisant sind diese Ergebnisse, wenn man sich vor Augen führt, dass in Deutschland solche Verkehrsdaten im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung seit Beginn des Jahres von allen (Mobil-)Telefonbesitzern gesammelt werden und für einen Zeitraum von 6 Monaten aufbewahrt werden. Die Umsetzung einer entsprechenden Speicherung für E-Mail-Kontakte läuft zur Zeit ebenfalls, dort wird den Anbietern aber noch eine Übergangsfrist bis Ende des Jahres gegeben.
-- O. Langfeldt (ULD)
- Humanistische Union 24.04.2008: Verkehrsdaten und ihre Aussagekraft
- Inferring Social Network Structure using Mobile Phone Data [.pdf]
- Feature im VirDSB: Vorratsdatenspeicherung

