Preisgekrönte Videos beleuchten den Alltag des Gläsernen Menschen

Medienmitteilung des Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich vom 17.09.2018.

Die Einreichungen der dritten Staffel des Datenschutz-Video-Wettbewerbs seien sehr divers und qualitativ hochstehend gewesen, erklärte Bruno Baeriswyl an der Preisverleihung: „Die Auswahl der Gewinnerbeiträge fiel der Jury deshalb besonders schwierig.“ Die Fachjury prämierte drei Kurzspielfilme. Sie geben eine Blick in Alltag von Menschen, die die Kontrolle über ihre Daten verloren haben: eine Warnung vor den Gefahren der Leichtfertigkeit in den sozialen Medien; den düsteren Blick in eine Zukunft, in der die Möglichkeit, alles über alle zu wissen, das Vertrauen im Freundeskreis zerstört und ein humorvoller und zugleich aufwühlender Clip über die Folgen der permanenten Aufzeichnung und Analyse unserer Gesundheitsdaten und die Folgen der Selbstoptimierung.

Mit dem Datenschutz-Video-Wettbewerb fördert der Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich die Diskussion über den Schutz der Privatsphäre direkt in den sozialen Medien. Die dritte Staffel der Ausschreibung konnte sehr unterschiedliche, jedoch durchgängig qualitativ hochstehende Einsendungen verzeichnen. Neben Multimedia-Kunstprojekten gingen klassische Youtube-Formate, Fernsehreportagen und Kurzfilme ein. Eine Jury, der neben dem Datenschutzbeauftragten Fachleute aus den Bereichen Multimediaproduktion, Film und Medienpädagogik angehörten, prämierte drei Kurzfilme.

Der Gewinner des letztjährigen Datenschutz-Video-Wettbewerbs, Gian Maria Finger, führte durch die Preisverleihung. Die Wettbewerbsteilnahme habe ihn weiter für das Thema sensibilisiert, meinte er, wenn Google seine Suchanfragen heute automatisch richtig erweitere, fände er das schon ziemlich krass. Er frage sich dann: Was wissen die alles über mich?

In seiner Begrüssung zeigte sich der Datenschutzbeauftragte Bruno Baeriswyl erfreut über das zunehmende Interesse am Schutz der Privatheit in Zeiten, da einerseits das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu immer mehr Überwachung durch den Staat führe, andererseits die bequemen, ja selbst suchtfördernden Angebote von globalen Technologiefirmen die Menschen zur Preisgabe all ihrer persönlichsten Daten verleiten. Technologie sei weder gut noch böse, es brauche eine gesellschaftliche Diskussion darüber, wie wir Technologie nutzen wollen.

Jurymitglied Flurin Senn, Leiter Bereich Bildung und Erziehung in der Abteilung Sekundarstufe I an der Pädagogischen Hochschule Zürich, hob in der Würdigung des drittplatzierten Beitrags die Originalität hervor, mit der Idee und Inhalt des Kurzfilms umgesetzt wurde. „Das Thema des Wettbewerbs ist gelungen umgesetzt. Der Wert der Privatsphäre als schützenswertes Gut wird für alle nachvollziehbar thematisiert.“ Im Beitrag „zersch überlegge“ zeigt der Gewinner Fabian Bürgi, wie wir uns in den sozialen Medien Gefahren wie Missbrauch und Diebstahl aussetzen, indem wir unbekümmert Daten bekannt geben. Das Ganze ist als Alptraum inszeniert. Für Bürgi wurde jedoch ein Traum wahr dank seiner Grossmutter: „Sie hat mich auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht“, sagte der Gewinner.

Der zweite Preis ging an den Film Daten.Wir von Nicolai Raab. In seinem aufwendig produzierten Werk lässt sich die Hauptfigur feiern, denn dank der Datenbrille weiss er alles über sein Gegenüber und kann die Realität zu seinen Gunsten manipulieren. Doch er bezahlt einen hohen Preis, denn er zerstört das Vertrauen seiner Freunde. Gewürdigt wurde der Beitrag durch Nico Lypitkas, dem Leiter Bachelor Cast / Audiovisual Media der Zürcher Hochschule der Künste: „Mit diesem Video wird das Thema Gläserner Mensch geschickt in eine Geschichte mit mehreren Wendepunkten verpackt. Der Beitrag verdeutlicht, wie Informationen Macht über andere Menschen bedeuten.“

Andrea Holle, Gründerin und Direktorin des Mobile Motion Festival, dem internationalen Festivals für Filme, die auf Smartphones aufgenommen wurden, pries die allgemein hohe Qualität der Wettbewerbsbeiträge. „Die Fragen, die im Gewinnervideo angesprochen werden, gehen mir nicht mehr aus dem Kopf“, meinte sie. Obwohl das Video humorvoll daherkomme, bleibe der ernste Inhalt bei der Zuschauerin hängen. In „DatenschutzGesundheitsdaten“ zeigen Meret Kaufmann, Gion Hunziker und Nicolas Zürcher den ganz normalen Alltag eines jungen Zürchers. Er kauft ein, isst, trinkt mal ein Bier, vielleicht auch eins zu viel, nichts Auffälliges, ausser dass seine Daten ununterbrochen aufgezeichnet und ausgewertet werden, so wie das Fitness-Apps heute tun. Anders als wir es heute noch gewohnt sind, bekommt er Warnungen und die Krankenkasse passt aufgrund seines Risiko-Lifestyles die Prämie automatisch nach oben an. Die Jury befand, es sei ein „spannender Kurzfilm der zum Nachdenken anregt, ohne moralisch zu sein oder mit dem Finger zu zeigen. Insgesamt ist der Beitrag geprägt von gutem filmischem Handwerk. Die vorhandenen Mittel sind gekonnt eingesetzt und dienen der Geschichte.“

Die Gewinnervideos sind auf dem Youtube-Kanal und auf der Website des Datenschutzbeauftragten www.datenschutz.ch verfügbar.

Die Medienmitteilungen des Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich können hier abgerufen werden.